ASC Neuenheim, Vorschau auf die Saison 2018/19

Die halbe Liga zählt zum Favoritenkreis

Dem FC Bammental ist der Meistertitel in der Fußball-Landesliga Rhein-Neckar am ehesten zuzutrauen SG ASV/DJK Eppelheim ist in der Verfolgerrolle

Von Christopher Benz

Heidelberg. Die Qualität in der FußballLandesliga hat sich über die Transferperiode tatsächlich verbessert. Bereits im vergangenen Sommer hatte man das Gefühl, die Klubs veranstalten eine Art "Wettrüsten". Die Favoritenrolle will mal wieder keiner annehmen. Spieler mit jahrelanger Verbands-, Ober- oder sogar Regionalliga-Erfahrung tummeln sich in nahezu allen Mannschaften. Selbst ehemalige Junioren-Bundesliga-Kicker tritt in der Landesliga gegen den Ball.

Vergleichsweise unspektakulär lesen sich die Namen der Neuzugänge beim FC Bammental. Dennoch ist der letztjährige Vizemeister dank einer eingespielten Mannschaft und dem ebenso ehrgeizigen wie zielstrebigen Trainer Volkan Glatt ein heißer Kandidat auf den Titel.

Der zweitkleinste Landesliga-Ort (6500 Einwohner) nach dem Aufsteiger TSV Kürnbach hat acht hervorragende Spielzeiten hinter sich, in denen er nie schlechter als auf Tabellenplatz vier abgeschlossen hat. Nach der KreisligaMeisterschaft 2015 verbuchte der FCB die Ränge drei (2016, 2017) und zwei (2018). Allerdings lief es in der Aufstiegsrelegation nicht wie gewünscht; die Verbandsliga-Rückkehr platzte im Relegations-Halbfinale gegen die SpVgg Neckarelz (0:2). In der Runde 2005/06 kickte Bammental zuletzt in der höchsten badischen Spielklasse.

Nicht lumpen lassen hat sich die SG ASV/DJK Eppelheim. Bereits vor der letzten Spielzeit durfte man den Schützlingen von Daniel Mingrone den großen Wurf zutrauen. Jedoch suchte die Eppelheimer das Verletzungspech heim, weshalb ihnen im Endspurt die Puste ausging. Zum Saisonstart kehrt mit Tristan Grün ein Ausnahmespieler zurück. Der feine Techniker hat ein komplettes Jahr aussetzen müssen (Kreuzbandriss), sprüht nun jedoch vor Spielfreude.

Die Eppelheimer waren sehr aktiv auf dem Transfermarkt und haben einen der größten Coups gelandet. Vom FV Brühl kommt Patrick Greulich. In den vergangen sechs Jahren erzielte der 28-jährige Stürmer 134 Treffer in 180 Spielen. Das spricht nicht nur für seine enorme Torgefährlichkeit, sondern auch dafür, dass er so gut wie nie verletzt oder gesperrt ist. Torhüter Dominik Machmaier vom SV Sandhausen II sowie Luca Bauer vom FC Bammental sind weitere Neuzugänge. "Wir haben super Eindrücke im Training gesammelt, wo die Neuen sofort alle Gas gegeben haben", hat Mingrone einen großen Willen ausgemacht.

Immer auf der Rechnung haben sollte man den SV Waldhof II. Ein Verbandsliga-Aufstieg wäre für die RegionalligaReserve von großem Nutzen, um die Kluft zwischen erster und zweiter Mannschaft endlich zu verringern. Dazu müssen die Schützlinge von Peter Brandenburger anders als zuletzt zwei konstant starke Halbserien hinlegen.

Ein stetiger Kandidat für einen Spitzenrang ist der VfB St. Leon. Um den entscheidenden Schritt zum Aufstieg zu machen, fehlt den VfB-Talenten jedoch die Erfahrung. Trainer Benjamin Schneider hat Jahr für Jahr talentierte Nachwuchskräfte zur Verfügung, muss diese allerdings häufig an die Konkurrenz abgeben, wenn sie dabei sind, den nächsten Schritt zu machen.

Neu in St. Leon ist Stefan Schneider als spielender Co-Trainer. Dessen Routine im Sturmzentrum könnte in mancher Partie den Ausschlag zugunsten der Gelb-Schwarzen geben. Das Trainingslager im Odenwälder Waldbrunn haben die Fußballer genutzt, um noch enger zusammenzurücken. "Dabei geholfen hat ein gemeinsamer, schweißtreibender Lauf auf den Katzenbuckel", schmunzelt Benjamin Schneider.

Ein weiterer Profiteur der Wechselperiode ist der 1. FC Mühlhausen. Mit Christoph Stenzel, jahrelanger Kapitän des FC-Astoria Walldorf II, sowie Thorben Stadler, vier Jahre Linksverteidiger in der Regionalliga-Mannschaft des FCA und in jungen Jahren Zweitliga-Spieler beim Karlsruher SC, hat sich der 1. FCM hervorragend verstärkt. VfB St. Leon gut verstärkt

Einen Wechsel gab es auf der Kommandobrücke. Nach vier Jahren hat Sachar Theres das Traineramt niedergelegt. Für ihn übernimmt Uli Brecht, Kreisliga-Meister mit dem FC Bammental (2015) und mit dem FC Badenia St. Ilgen (2017). "Wir haben in der Vorbereitung großen Wert auf taktische Dinge gelegt", hat Brecht verraten, der gegen eine weitere Meisterschaft im Zwei-JahresRhythmus nichts einzuwenden hätte.

Letztes Jahr hat der ASC Neuenheim im Saisonfinale noch die SG ASV/DJK Eppelheim abgefangen. Die Elf von Alexander Stiehl hat sich in ihrem zweiten Landesliga-Jahr sehr stabil präsentiert und kann den nächsten Schritt machen. Traditionell sind die Neuenheimer in einer körperlich starken Verfassung und haben selten schwere Verletzungen zu beklagen. Ausnahme: Kapitän Boris Gatzky, der nach einem Achillessehnenriss in diesem Kalenderjahr nicht mehr auflaufen kann.

"Wir können mit 20 Feldspielern arbeiten", sieht Stiehl gute Voraussetzungen für seine Mannschaft. Zu Beginn der Vorbereitungsphase gab es zwei Höhepunkte auf dem eigenen Fußball-Campus, als der SV Sandhausen und der SV Waldhof zu Freundschaftsspielen im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen des ASC vorbeischauten.

Bei all diesen starken Teams bleibt den Aufsteigern das bescheidene Ziel Klassenverbleib. Am stärksten von den vier Klubs ist die DJK/FC Ziegelhausen-Peterstal einzuschätzen. Der souveräne Heidelberger Kreisliga-Meister mit seinem Spielertrainer Christoph Pieruschka sollte gefestigt genug sein, um den Klassenerhalt zu erreichen. Manch einer traut den "Köpfel-Kickern" sogar eine Platzierung im ersten Tabellendrittel zu.

Der FV Brühl muss drei Abgänge von Leistungsträgern verkraften: Patrick Greulich (Eppelheim), Tim Heene (pausiert) sowie Markus Schulze (England-Aufenthalt). Alle drei haben zusammen in der letzten Runde 47 Tore geschossen. Volker Zimmermann, der erfahrenste Landesliga-Trainer, baut daher auf ein kompaktes Kollektiv, das sich häufig auf Konterfußball einstellen muss.

"Wir sollten es in erster Linie genießen, in der Landesliga spielen zu dürfen", gehen Trainer Martin Dufke und die Freien Turner Kirchheim ihre neue Aufgabe nicht ohne die nötige Demut an: "Vor sechs Jahren hätten wir nicht mal davon zu träumen gewagt." Der Klub aus dem Heidelberger Süden hat sich in zwei engen Relegationsspielen durchgesetzt. Der begeisterungsfähige Übungsleiter darf einige Neuzugänge mit langjähriger Landesliga-Erfahrung begrüßen. Vor allem die starke Defensive der Freien Turner ist ein dickes Pfund für das Unternehmen Klassenverbleib.

Die Landesliga Rhein-Neckar
Der Modus
Die Fußball-Landesliga Rhein-Neckar startet am 18. August mit 15 Vereinen in die Spielzeit 2018/19, die am 2. Juni 2019 zu Ende gehen wird. Der Meister steigt direkt in die Verbandsliga Nordbaden auf. Der Vizemeister bestreitet Relegationsspiele um einen Aufstiegsplatz mit den Vizemeistern der Landesligen Mittelbaden und Odenwald sowie dem Tabellen-Vierzehnten der Verbandsliga Nordbaden. Die Vereine auf den Abschlussplätzen 14 und 15 steigen direkt in die Kreisligen ab. Der Tabellen-Dreizehnte bestreitet Relegationsspiele um einen Platz in der Landesliga Rhein-Neckar mit den Vizemeistern der Kreisligen Heidelberg, Mannheim und Sinsheim. Neu in der Landesliga sind die Kreisliga-Meister DJK/FC ZiegelhausenPeterstal (Heidelberg), SG Hemsbach (Mannheim) und TSV Kürnbach (Sinsheim) sowie die Freien Turner Kirchheim als Gewinner der Relegationsrunde.
CPB

ASC Neuenheim
Sportplatz: Tiergartenstraße 124, 69120 Heidelberg.
Trainer: Alexander Stiehl; Co-Trainer: Ugur Beyazal
Kader, Tor: Sven Goos, Moritz Jakob Przybilla (DJK Handschuhsheim), Dominik Sandritter
Abwehr: Medin Dokara, Leon Julis Ernestus, Stefan Ginter, Lennart Junge, David Kiefer (SGK Heidelberg), Daniel Rhein, Lucas Ring, Vincenzo Terrazzino, Caner Tilki
Mittelfeld: Boris Gatzky, Marvin Haase, Philipp Knorn, Soh Kushida, Jannik Oestreich, Sebastian Prior, Dominik Räder (TSV Kornburg), Patrick Schleich
Angriff: Stefan Berger, Ugur Beyazal, Nazmi Bulut, Moritz Haller, Rikuto Konishi, Levin Sandmann (TSV Handschuhsheim)
Abgänge: : Theo Jaspert (DJK/FC Ziegelhausen/Peterstal), Dominic Treiber (1. FC Wiesloch).

RNZ vom 13.8.2018, Seite 22