Fairness und Respekt gegenüber unseren Schiedsrichtern

Kann man so smarte Jungs anpöbeln? Man tut es - und noch Schlimmeres:
Fast 3.000 Angriffe auf Schiedsrichter in der Saison 2018/19, auch in der Kurpfalz!

Der 23jährige Lukas Heim hat am Mittwoch, assistiert von Moritz Dammert und Chris Lillig, in souveräner Manier das Viertelfinale im Badischen Pokal zwischen dem ASC Neuenheim und dem FV Lauda (4:1) geleitet. Nach dem Verkünden der Mannschaftsaufstellungen hat Stadionsprecher Joseph Weisbrod auf dem Fußballcampus Heidelberg wie folgt appelliert:

"Dieses Viertelfinale steht unter der Leitung von Schiedsrichter Lukas Heim (FV 1913 Wiesental), Moritz Dammert (FvR Kronau) und Chris Lillig (TSV Wiesental). Wie heißt es so schön? Wir wünschen dem Spiel einen sportlich-fairen Verlauf!


(Foto: Weisbrod)

Aus aktuellem Anlass möchte ich hinzufügen: Gerade die Fairness und der Respekt gegenüber unseren Schiedsrichtern sind keineswegs selbstverständlich. Fast 3.000 Angriffe auf Schiedsrichter in der vergangenen Saison 2018/19 sind fast 3.000 zuviel! Ich habe heute mit unserem ASC-Schiedsrichter Johannes Lehmann (Foto: privat) telefoniert, der im Rahmen eines Auslands-Semesters bis Juli 2020 in Madrid weilt.

FAZ-Zitat von Johannes Lehmann: "Da können die Schiedsrichter noch soviel streiken. Ich habe sehr wenig Hoffnung, dass sich da etwas ändert"

Johannes hat der renommierten "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am 29. Oktober ein aufrüttelndes Interview gegeben (vom 30.10.2019). Der 24jährige ist aus Berlin zum Jurastudium nach Heidelberg gekommen. Er musste feststellen, dass die Leitung eines Fußballspiels auch für Schiedsrichter in der beschaulichen Kurpfalz zu einem Spießrutenlaufen ausarten kann. Bei einem A-Jugendspiel im Fußballkreis Heidelberg wurde Johannes als Nazi beschimpft, geschubst und geschlagen. In seiner Not flüchtete Johannes in die Kabine und rief die Polizei.

Wir alle sind mit unserem Verhalten und vor allem mit unserer Haltung aufgefordert dazu beizutragen, dass jede Art von verbaler oder gar körperlicher Gewalt gegen Schiedsrichter keinen Platz auf und neben unseren Fußballplätzen hat."

PS: Auf die Interview-Frage von FAZ-Redakteurin Anna Vollmer, wie es nach dem Vorfall weiterging, antwortete Johannes Lehmann: "Ich habe Anzeige gegen zwei Spieler erstattet. Mit dem einen kam es zu einer Mediation, woraufhin ich die Anzeige fallengelassen habe. Er war ein A-Jugend-Spieler. Ein sehr schwieriges Umfeld. Fußball ist da sehr wichtig, auch sozial. Dennoch muss man den Spielern auch zeigen, dass so ein Verhalten auch andere Konsequenzen haben kann, als nur für ein halbes Jahr vom Verband gesperrt zu werden."

Wenn der Schiri-Nachwuchs abgeschreckt wird und ausbleibt, kann der Amateurfußball eines Tages einpacken!

Wir haben unserem ASC-Schiedsrichter Johannes Lehmann jede erdenkliche Unterstützung zugesichert, die ein Verein im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten bieten kann. Wenn Johannes im Juli 2020 nach Heidelberg zurückkehrt, will er sein geliebtes Hobby als Schiedsrichter wieder ausüben.

Tun wir alles dafür, dass der smarte junge Mann aus Berlin auf unseren Fußballplätzen in der ach so idyllischen Kurpfalz nie wieder so etwas erleben, sich nie wieder so allein fühlen muss wie bei besagtem Jugendspiel auf einem Heidelberger Fußballplatz.

Wenn junge Schiedsrichter wie Lukas Heim (23), Moritz Dammert (21), Chris Lillig (23) und Nachwuchs-Talente wie die ASC-Schiedsrichter Moritz Kulask (15) und Dominic Scher vor lauter Frust keinen Bock mehr haben auf diesen Job?: Dann kann der Amateurfußball, in dem jetzt schon an allen Ecken und Enden Schiedsrichter fehlen, endgültig einpacken!

Joseph Weisbrod