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Thema auf dem DFB-Bundestag

DFB-Pokal - schwierige Suche nach den Teilnehmern

Von Marcus Bark

Die Sieger der 21 Landespokale sollen auch in der kommenden Saison im DFB-Pokal starten. Was passiert, wenn sie nicht sportlich ermittelt werden können? Der DFB wird das auf seinem außerordentlichen Bundestag behandeln.

In Schleswig-Holstein hatten sie es sehr eilig. Bereits am 31. Oktober 2019 wurde im Landespokal das Halbfinale gespielt. Der SV Todesfelde und der VfB Lübeck qualifizierten sich für das Endspiel. Damals schien den Klubs klar: Am 23. Mai würde die Partie nicht nur im Stadion, sondern auch in der Sportschau live zu sehen sein, am inzwischen etablierten "Finaltag der Amateure". Corona, eine Pandemie, an so etwas dachte im Oktober 2019 niemand.

Der "Finaltag der Amateure" ist längst verschoben, ein neues Datum nicht bekannt. Ob es ihn überhaupt im Jahr 2020 geben wird, mit 21 Endspielen der einzelnen Landesverbände - sehr fraglich.

Einmaliges Erlebnis, außergewöhnliche Einnahmen

Der große Reiz der Landespokale besteht darin, dass der Sieger in der kommenden Saison im DFB-Pokal mitspielen darf. Ein Heimspiel gegen den FC Bayern oder Borussia Dortmund lassen von einem einmaligen Erlebnis und einer außergewöhnlichen Einnahme träumen.

Träumen ist weiter erlaubt, denn den DFB-Pokal soll es auch in der Saison 2020/21 geben, und es soll auch dabei bleiben, dass 21 Landespokalsieger mitspielen dürfen. Aber wann geht es weiter, wie geht es weiter? Für den in so vielen Satzungen nicht vorgesehenen Fall, dass höhere Gewalt wie eine Pandemie eine sportliche Austragung verhindert, will der DFB seine Spielordnung ergänzen.

Außerordentlicher Bundestag am 25. Mai

"Soweit der Pokalwettbewerb eines Landesverbandes der Spielzeit 2019/2020 bis zum Ablauf der Meldefrist nicht beendet ist, kann der jeweilige Landesverband innerhalb der Meldefrist (...) statt des Verbandspokalsiegers in eigener Verantwortlichkeit einen anderen Teilnehmer für den DFB-Vereinspokal der Herren der Spielzeit 2020/2021 benennen", heißt es in einem Antrag, der am Montag (25.05.20) auf dem außerordentlichen Bundestag des DFB behandelt werden soll.

Weiter steht dort: "Wird innerhalb der Frist von einem Landesverband kein Teilnehmer benannt, wird der Startplatz stattdessen an einen anderen Landesverband, der bislang keinen zweiten Teilnehmer stellen darf, entsprechend des vorstehenden Absatzes vergeben."

Losverfahren ein Denkmodell

Die Frist, die im Antrag erwähnt wird, ist noch gar nicht gesetzt. Einen neuen Rahmenterminkalender für die Saison 2020/21 gibt es nicht. Er muss in Einklang gebracht werden mit den Plänen des europäischen Verbandes UEFA, der die Champions League und Europa League sportlich beenden will. Auch der Weltverband FIFA spricht mit, denn er setzt die Abstellungsperioden für Länderspiele fest.

Es ist wahrscheinlich, dass die erste Runde des DFB-Pokals nicht vor Oktober gespielt werden wird. Insofern bleibt noch Zeit. Dennoch müssen sich die Verbände Gedanken machen für den Fall, dass sportlich kein Landespokalsieger ermittelt werden kann.

So könnten die Einnahmen (Prämie für Pokalsieg und Startgeld erste Runde) in einen Topf geworfen und an die noch verbliebenen Teilnehmer bei verstrichener Frist gleichmäßig verteilt werden. Ein Sieger würde dann eventuell per Los bestimmt. Anderes Denkmodell: Ein Verband würde den in der Meisterschaft am besten platzierten Klub für den DFB-Pokal melden.

Drei Verbände erst im Viertelfinale

Die Blöße, einen Startplatz verfallen zu lassen, wird sich gewiss kein Landesverband geben wollen. Einen Konsens dürfte es auch darüber geben, dass der Teilnehmer auf sportlichem Weg ermittelt werden soll. Aber auch da die Fragen: Wann und wie?

Im Saarland, Württemberg und in Hamburg müssen noch die Viertelfinalpartien gespielt werden, in anderen Verbänden steht immerhin schon ein Finalteilnehmer fest, die meisten sind beim Halbfinale angekommen.


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"Wenn wir da zweistellig auf den Sack kriegen, können wir auch zu Hause bleiben"

So auch der Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB). Der FSV Luckenwalde trifft auf Union Fürstenwalde, Verbandsligist SV Grün-Weiß Lübben auf den Regionalligisten SV Babelsberg 03. Am Montag (18.05.20) besprachen der FLB und die Klubs mögliche Szenarien.

"Wir haben klargemacht, dass wir vor dem 30. Juni spielen wollen, und das vor Zuschauern. Das wäre ein schönes Jahreshighlight, dann wäre die Welt in Ordnung", sagte Lübbens Vorsitzender Udo Janke der Sportschau. Großveranstaltungen sind in Deutschland bis 31. August verboten, aber Spiele mit maximal 1.000 Besuchern könnten vielleicht noch im Juni möglich sein, so Janke.

Er habe es vor allem auch deswegen eilig, weil der Gegner ab Juli eine "völlig andere Mannschaft" habe. "Die werden ihren Kader umkrempeln, um nächstes Jahr nicht wieder in Abstiegsgefahr zu geraten", vemutet Lübbens Vereinsboss, "wenn wir dann da zweistellig auf den Sack kriegen, dann können wir auch zu Hause bleiben."

Endspiel erst im September?

Der FSV Luckenwalde habe angedeutet, auch vor dem 30. Juni spielen zu wollen, "die beiden anderen wollen später". Zeit genug bliebe, denn das Endspiel sei "vermutlich erst für den September" geplant.

Wilfried Riemer leitet beim FLB den Spielausschuss. Er bestätigte der Sportschau, dass er den September-Termin in der Videokonferenz genannt habe. Allerdings habe es bei der Videokonferenz keine verbindlichen Aussagen oder Absprachen gegeben. Es sei lediglich darum gegangen, "ein Meinungsbild einzuholen".

Tag der Amateure in der Sportschau, der ASC-Clip

Spiel der Spiele gegen Waldhof Mannheim

So weit seien sie beim Badischen Fußballverband noch nicht, sagt Dr. Werner Rupp. "Wir fliegen auf Sicht. Der Pokal wurde bislang außen vor gelassen. Der Verband weiß selber noch nicht, wie es weitergeht", so der Vorsitzende des ASC Neuenheim, für den im Halbfinale des Landespokals das "Spiel der Spiele" ansteht. Der Landesligist trifft auf den SV Waldhof Mannheim. "Die sind dann vielleicht schon Zweitligist", sagte Rupp, der mit 3.000 bis 4.000 Zuschauern rechnet: "Deshalb können wir auf ein Geisterspiel verzichten. Das haben wir im Vorstand auch so gesagt."

Beim Waldhof dürften sie derzeit wenig Gedanken an Neuenheim verschwenden. In der 3. Liga, die beim Bundestag des DFB ein großes Thema sein wird, stehen noch elf Spieltage an. Der kürzlich verworfene Plan sah vor, ab dem 26. Mai in Englischen Wochen die Saison bis zum 30. Juni zu beenden. Der neue Plan ist nicht bekannt, aber es dürfte kaum Platz für den Landespokal zwischen den Meisterschaftsspielen sein.

Vor derselben Situation wie Mannheim steht der 1. FC Kaiserslautern, der im Südwest-Pokal gegen den SV Morlautern klarer Favorit ist. Im Endspiel würden die "Roten Teufel" auf den SV Alemannia Waldalgesheim, den wahrschienlichen Aufsteiger in die Oberliga, treffen. Dessen Vorsitzender Reinhard Schenk kündigte bei der Sportschau an, dass er sich in Kürze mit den beiden Halbfinalisten treffen wolle, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

"Eines wissen wir jetzt schon genau: Es soll kein Spiel ohne Zuschauer geben, denn das bringt nichts", so Schenk zur Sportschau. Er fühlt sich vom Landesverband ein bisschen im Stich gelassen, da es "keine Angaben zum Pokal" für die betroffenen Vereine gebe.

Seit 11. März kein Training

Anders als der FCK wird bei Waldalgesheim derzeit nicht trainiert. "Bei uns hat seit dem 11. März keiner mehr vor den Ball getreten", so Schenk. Am Freitag (22.05.20) wolle sich die Mannschaft immerhin mal wieder physisch treffen. Statt des Abschlusstrainings vor dem Endspiel am "Finaltag der Amateure" steht dann eine Besprechung an, wie es weitergehen soll.

Corona-Schutzverordnungen. Hygienekonzepte und mögliche Entscheidungen durch die Landesregierungen stehen dem Traum von Bayern München und Borssia Dortmund weiterhin im Weg.

Stand: 19.05.2020, 13:04