Scheidenden Trainern droht ein stiller Abschied

War es das schon für manch einen Trainer bei seinem Klub?

Wenn diese Saison nicht fortgeführt wird, erleben Alexander Stiehl, Jochen Schuppe und Matthias Mayer einen stillen Abschied. Vielleicht liegt das letzte Spiel der Drei sogar schon rund sieben Wochen zurück. Wissen kann dann das aktuell niemand, die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Amateurfußball sind noch nicht abzuschätzen.

"Ich habe tatsächlich schon ein paar Mal daran gedacht, dass das 1:1 gegen die FT Kirchheim mein letztes Spiel als Trainer des ASC gewesen sein könnte", verrät Stiehl, der die Mannschaft vor sechs Jahren übernommen hat und 2016 über die Relegation in die Landesliga führte. Sechs Wochen lang bereitete er seine Schützlinge ab Ende Januar auf Landesliga-Rückrunde vor, nur um dann eine einzige Partie zu absolvieren.


Alexander Stiehl (l.), Jochen Schuppe (m.) und Matthias Mayer (r.)

Der ASC-Trainer glaubt derweil immer weniger an eine Fortführung der Saison. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen großen Sinn macht, die Runde fortzuführen", so Stiehl, der größere Unwägbarkeiten für die Klubs auf der Sponsoren-Seite zukommen sieht, "das größere Problem ist, dass einige Unterstützer wahrscheinlich abspringen und nach der Krise andere Absichten haben."

Neben der Landesliga-Rückrunde steht für die Anatomen das vermutlich größte Spiel der Vereinsgeschichte aus. Am 8. April hätte das Halbfinale im Badischen Pokal gegen den SV Waldhof Mannheim stattfinden sollen. Der Ausgang dieses Wettbewerbs ist ebenso offen wie der der Liga. "Das wäre für die meisten unserer Spieler der absolute Karriere-Höhepunkt gewesen", sagt Stiehl, der mit Marcus Meyer einen Akteur in den eigenen Reihen weiß, der es für den FC-Astoria Walldorf sogar auf vier Einsätze im DFB-Pokal bringt.

Was er im Anschluss an diese Saison macht, ist offen. "Im März und April planen viele Klubs ihre neue Runde und das findet aktuell nicht statt", erwähnt Stiehl, der sich eine neue Aufgabe als Trainer vorstellen kann.

Am meisten vermisst Jochen Schuppe das gemütliche Beisammensein nach den Trainingseinheiten. "Gerade der Amateurfußball lebt von der Kameradschaft, zusammensitzen und ein bisschen Blödsinn reden gehört einfach dazu", erklärt der Trainer des Kreisligisten SpVgg Baiertal.

"Ich vermute, dass es erst im Herbst weitergeht", glaubt Schuppe, der in diesem Fall seinen letzten Einsatz als SpVgg-Trainer bereits gehabt hätte. Das war eine 0:2-Niederlage gegen den FV Nußloch am 6. März. Trotzdem haben sich die Baiertaler zum Ziel gesetzt, in der Tabelle noch ein wenig zu klettern. Egal, wann es weitergeht, Schuppe wird bei seinem Verein sicher einen gebührenden Abschied erhalten.

Wie es danach für ihn weitergeht, weiß er indes noch nicht: "Aktuell gehe ich davon aus, dass ich nichts mache. Ich wäre aber offen für etwas Neues, wenn etwas Passendes dabei wäre, könnte ich mir vorstellen, weiterzumachen."

Seit Anfang März hat Matthias Mayer sein Büro nach Hause verlagert. Da zudem die Fußballpause fast genauso lange läuft, ist der Trainer des BSV Mückenloch größtenteils in den eigenen vier Wänden vorzufinden. "Ich habe mir noch keine Gedanken über den Abschied gemacht, sondern hoffe, dass ich noch ein paar Spiele machen kann", ist Mayer optimistisch, die Runde irgendwie zu beenden.

Großen Respekt hat er vor der Tatsache, dass der Spielbetrieb nach einer knackigen 14-tägigen Vorbereitung direkt mit einer englischen Woche nach der anderen starten könnte. "Monate nichts machen und nach vier, fünf Trainingseinheiten voll durchstarten, würde bestimmt ein super erstes Spiel geben", muss Mayer ein wenig schmunzeln bei diesem Gedanken.

Für den 37-jährigen Angreifer, der in den 30 Spielen seit seinem Amtsantritt im Juli 2018 19 Treffer für den BSC erzielt hat, geht es ab Sommer beim Mosbacher Kreisligisten TSV Schwarzach weiter. "Dort sind wir zwei gleichberechtigte Trainer und ich werde der sein, der auf dem Feld aktiv ist", geht Mayer weiterhin auf Torejagd.

fupa.net

Letzte Aktualisierung 25.04.2020