21.03.2022

ASC1 – Spektakuläres Heidelberger Landesliga-Derby

ASC Neuenheim – SG HD-Kirchheim 2:2 (2:1)

Erst führt die SG HD-Kirchheim, dann der ASC Neuenheim – und am Ende sind beim leistungsgerechten 2:2-Remis alle gleich!

ASC Neuenheim – SG Heidelberg-Kirchheim

Das herrliche Wetter machte dem Frühlingsanfang alle Ehre. Da ließen sich die Landesliga-Fußballer im Heidelberger Derby zwischen dem Tabellenzweiten ASC Neuenheim und der ebenso formstarken SG HD-Kirchheim auf dem sonnigen Fußballcampus nicht lumpen und verwöhnten die zahlreichen Zuschauer/innen mit einem bis zum Schluss heiß umkämpften „Landesliga-Derby auf Topniveau“ (RNZ).

ASC dreht frühen Rückstand zur Pausenführung!

Für den Gastgeber ging der Schuss schon in der achten Minute nach hinten los. SGK-Winterzugang Sinisa Sprecakovic zeigte mit seinem von der noch unsortierten ASC-Kette begünstigten Führungstreffer, warum er der neue Unterschiedsspieler im jungen Team von Trainer-Vulkan Manuel Wengert ist. Die Neuenheimer, die u. a. auf den erst am Vortag frei getesteten Abwehrboss Dominik Räder verzichten mussten, schütteln sich kurz und übernehmen nicht nur rhetorisch die Regie in diesem unterhaltsamen Spielfilm.

Hier der spektakuläre Ausgleich im Heidelberger Landesliga-Derby zwischen dem ASC Neuenheim und der SG HD-Kirchheim . Nach einer Diagonalflanke von Tarek Aliane nimmt ASC-Kapitän Levin Sandmann den Ball mit der Brust an und schießt aus der Drehung zum 1:1 ein (19.).

Neuenheims „falscher“ Neuner Tarek Aliane schlägt in der 19. Minute eine Flanke diagonal in den Strafraum. Zielspieler Levin Sandmann nimmt den Ball wunderbar mit der breiten Brust mit und hämmert die Kugel aus der schnellen Drehung ins SGK-Netzwerk. Schon die siebte Saisonvorlage und das 11. Ligator für den tatendurstigen Neuenheimer Kapitän und Ex-Kerchemer!

Beide Mannschaften agieren fußballerisch und taktisch auf Augenhöhe, ohne im ersten Durchgang noch brenzlige Strafraumszenen produizieren zu können. Doch in einer Drangphase vor der Pause dreht die Mannschaft von Trainer Uli Brecht den ursprünglichen Rückstand.

Lucas Ring dribbelt sich auf seiner linken Außenbahn bis kurz vor der Grundlinie durch und passt in den Rücken der gegnerischen Abwehr in die Strafraummitte. Dort ist der frisch verheiratete Stefan Berger so frei, den perfekt servierten Ball mit dem Innenrist ins rechte SGK-Eck zu schieben (37.).

Die 2:1-Führung für den ASC Neuenheim gegen SG HD-Kirchheim. Stefan Berger (Nr. 7) verwandelt die perfekte Hereingabe von Außenbahner Lucas Ring (Nr. 13).

Derweil notiert RNZ-Reporter Wolfgang Brück draußen auf den gut gelaunten Rängen eifrig, was er seinen Gesprächspartnern (u. a. Alex Stiehl, Andreas Kriehuber und den ASC-Gründervätern Dr. Luzian Kostrzewa und Dr. Dirk Heinrich) für das „Spiel des Tages“ und seine „Sportsleute“-Kolumne entlocken kann.

Auf dem grünen Kunstrasen schickt SGK-Coach Manuel Wengert nach dem Wiederanpfiff des tadellosen Schiedsrichters Ralf Kastner den von einer Erkrankung (nein, nicht Corona) genesenen Torjäger Marc Haffa in die „Mission Ausgleich“. An der Statik im Spiel ändert sich allerdings zunächst wenig. Die ASC-Defensive mit Famara Sanyang, Arik Edelmann, Lucas Ring, Safer-Sechser Boubarcar Siby und David Cardal erspart ihrem Torwart Daniel Tsiflidis knifflge Arbeit.

Das zweite Gastgeschenk nutzt der Ex-Neuenheimer David Kiefer zum 2:2-Endstand!

Doch dann unterläuft einem bis dahin tadellosen ASC-Verteidiger ein fataler, weil zu kurzer Rückpass. Nicht einmal Daniel Tsiflidis, von seinem Torwartcoach Andreas Kriehuber laut RNZ zum „besten Keeper der Landesliga“ geadelt, kann diesen Fauxpas ausbügeln. Nutznießer des Missgeschicks ist ausgerechnet der Ex-Neuenheimer und SGK-Kapitän David Kiefer, der aus kurzer Distanz zum 2:2-Gleichstand einschiebt (65.).

Ein Grauen für die Blauen und ihren Trainer. Uli Brecht ist wegen der „haarsträubenden Fehler“ vor den beiden Gegentoren not amused, wie er RNZ-Interviewer Wolfgang Brück nach dem Abpfiff gesteht.

Die Mannschaft aus dem Heidelberger Süden hat nach dem Ausgleich ihre stärkste Phase. Die bis dahin so stabile ASC-Abwehr bietet bedenkliche Schnittstellen-Lücken an, ohne dass die SGK-Offensive um SGK-Shootingstar Sinisa Sprecakovic und Sturmturm Marc Haffa zu gefährlichen Abschlüssen kommt.

In der feurigen Schlussphase ist es dann der ASC Neuenheim, der mehrfach den 3:2-Siegtreffer u. a. auf dem Kopf und dem linken Fuß von Liga-Torjäger Ben-Richard Prommer (Hauptfoto: P. Knorn) hat.

Da die Verfolger FC Türkspor Mannheim (0:3 beim TSV Kürnbach!), Vfl Kurpfalz Neckarau (0:1 beim FC Bammental!) und DJK/FC Ziegelhausen-Peterstal (0:1 daheim gegen Schwetzingen!) überraschend alle Federn ließen, verteidigt der ASC Neuenheim (43 Punkte) seinen zweiten Tabellenplatz hinter Spitzenreiter FT Kirchheim. Die „Freien Turner“ geben sich keine Blöße und gewannen auch das Derby gegen den ASV Eppelheim mit 3:1.

Joseph Weisbrod

Kirschen in Nachbars Garten

Beim 2:2 lobt ASC-Sportchef Stiehl den besten Kirchheimer und vergleicht Waxmann mit Magath

Von Wolfgang Brück

Heidelberg. Alexander Stiehl tat, was das Amt von ihm verlangt. Der Sportliche Leiter des ASC Neuenheim schaute in Nachbars Garten, wo bekanntlich die Kirschen süßer sind. „Sinisa Sprecakovic ist ein begnadeter Fußballer. Ich könnte ihn mir auch bei uns vorstellen“, sagte der 50-jährige Realschul-Lehrer.

Beim 2:2 im Landesliga-Derby zwischen Neuenheim und Kirchheim stach Sprecakovic nicht nur als Torschütze, sondern auch dank seiner Übersicht, Beweglichkeit und feinen Technik heraus. In Amerika, wo er in Boston und Miami studierte, wurde er als „bester Spieler des Jahres“ ausgezeichnet. Zurück in Heidelberg schloss sich der 23-jährige ehemalige Regionalliga-Spieler des SV Waldhof wieder der SG Kirchheim an. „Weil es ein familiärer Verein ist“, wie er lobt. „Stand jetzt“ wird er über die Saison hinaus bleiben. „Meine Mannschaft hat viel Potenzial“, glaubt Sprecakovic, der im fünften Spiel sein fünftes Tor schoss, „wir können wieder die Nummer eins in Heidelberg werden.“

Weil die Jungs von Manuel Wengert den Saison-Start verdaddelt haben und nur drei der ersten elf Spiele gewannen, verzögert sich das Vorhaben.

Das ist schade. Denn wie schon beim 4:1 gegen den Stadtteil-Rivalen Freie Turner zeigten die Kirchheimer auch im FußballCampus, dass sie zum Besten gehören, was die Landesliga zu bieten hat. Der Beweis: Obwohl sich der Rückstand von Neuenheim im Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Freien Turnern auf vier Zählern vergrößerte, wollte Stiehl nicht von einem Punkte-Verlust reden.

Trost war die Neckarauer Niederlage in Bammental. Stiehl sandte Glückwünsche an die Schwimmbad-Straße: „Marc-André Waxmann als Interims-Trainer hat den Felix Magath-Effekt ausgelöst.“

ASC-Torwarttrainer Andreas Kriehuber, der für sich in Anspruch nimmt, mit Daniel Tsiflidis den besten Keeper der Landesliga zu betreuen, strahlte mit der Sonne um die Wette: „Ein tolles Derby mit vielen Torszenen und zwei starken Mannschaften.“

Kriehubers Schützling, heute 37, hat in Würzburg, Waldhof, Münster, Aalen und im griechischen Fostiras höherklassig gespielt. Neuenheim hat eine namhafte Mannschaft. Auch Marcel Hofbauer, Dominik Räder, Alex Kerber, Stefan Berger, Arik Edelmann und Boubacar Siby haben Referenzen.

Irgendwas würde nicht stimmen, wenn die Trainer nicht doch was zu beanstanden gehabt hätten. ASC-Chefcoach Uli Brecht beklagte „haarsträubende“ Fehler vor den Kirchheimer Toren durch Sprecakovic (8.) zum 0:1 und David Kiefer (65.) zum 2:2. Levin Sandmann (19.) und Stefan Berger (37.) hatten zwischenzeitlich das Spiel gedreht.

SGK-Trainer Manuel Wengert war die Empörung über einen nicht gepfiffenen Elfmeter eine gelbe Karte wert. Der Protest nach einem Zweikampf in der Schlussphase zwischen Famara Sanyang und Yassin Belkihel war nicht unberechtigt. „Es war eine 50:50-Entscheidung“, fand Routinier Kriehuber.

Auf der anderen Seite hatten auch die Neuenheimer Möglichkeiten, um das Spiel zu gewinnen. Obwohl beide Mannschaften, auch wegen Corona, auf Leistungsträger verzichten mussten, sahen 300 Zuschauer ein Landesliga-Derby auf hohem Niveau.

RNZ vom 21.03.2022, Seite 21

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ASC Neuenheim: Daniel Tsiflidis, Lucas Ring, Arik Edelmann, Famara Sanyang, David Cardal, Boubacar Siby, Stefan Berger (59. Oliver Kubis), Alexander Kerber (70. Dawid Polotzek), Tarek Aliane, Levin Sandmann, Ben-Richard Prommer – Leif Lichtenberger (ETW), Kim-Jonathan Kaul, Samuel Schmidt, Marcel Hofbauer – Trainer: Ulrich Brecht

SG HD-Kirchheim: Lars Lichtenberger, Joshua Voigt, David Kiefer, Sinisa Sprecakovic, Yassin Belkihel (87. Tom Gieseler), Niklas Neumann, Alieu Jobarteh (46. Marc Haffa), Lewis Paling, Marius Klein (65. Can Aydingülü), Enis Kajtazovic, Mika Roskamm (46. Frederic Johannes) – Trainer: Manuel Wengert

Tore:

  • 0:1 8.Min Sinisa Sprecakovic
  • 1:1 19.Min Levin Sandmann, Vorarbeit von Tarek Aliane
  • 2:1 37.Min Stefan Berger, nach Flanke von Lucas Ring
  • 2:2 65.Min David Kiefer

1 Karte für ASC Neuenheim:

  • 39.Min Gelb für Stefan Berger

Schiedsrichter: Raphael Kastner

Zuschauer: 300